Warum »OpenTransfer«?
Forschung soll nicht nur Wissen schaffen, sondern konkreten Nutzen für die Gesellschaft bringen: neue, leistungsfähigere Produkte, umweltfreundlichere Alternativen, Lösungen für drängende gesellschaftliche Probleme. Dieses Ziel teilen alle Beteiligten – doch die Wege dorthin unterscheiden sich.
Beim klassischen Technologietransfer werden Forschungsergebnisse zunächst rechtlich geschützt oder geheim gehalten, um sie dann gezielt in marktfähige Produkte zu überführen. Dabei wird das Wissen (zumindest beim Patent) auch offengelegt, für die Nutzung braucht es aber eine in der Regel kostenpflichtige Lizenz. Bei Open Science tritt die Offenlegung sofort ein, die Exklusivität entfällt zugunsten der breiten Nutzbarkeit.
Beide Ansätze verfolgen also im Kern dasselbe Ziel: Wissen soll nicht im Labor verbleiben, sondern in die Gesellschaft wirken und als Basis für Weiterentwicklungen verfügbar sein. Der Weg dahin ist jedoch unterschiedlich: Je nach Anwendungsbereich der Technologie und der Rahmenbedingungen, aber auch der individuellen Präferenzen der Entwickler:innen und ihrer Organisationen kann der offene Weg oder der klassische Transfer die bessere Option sein.
Die Herausforderung: Strukturwandel in der Wissenschaft
Es klafft eine Lücke: Die Forschungslandschaft bewegt sich zunehmend in Richtung »Open«, während die klassischen Transferstrukturen der öffentlichen Forschung primär auf das Schutzrechtsmodell ausgerichtet sind. Viele Transferstellen sind auf die kommerzielle Lizenzierung von Schutzrechten fokussiert, nicht auf das Management von Open-Source-Projekten oder Communityprozessen.
Das führt zu Unsicherheiten auf beiden Seiten. Forschende scheuen den Schritt ins Offene, weil rechtliche Wege unklar sind. Transferverantwortliche suchen nach passenden Modellen für die Begleitung offener Projekte. Investoren fragen sich, wie die langfristige Wirtschaftlichkeit offener Projekte gesichert ist.
Das Projekt »OpenTransfer«
Genau hier setzt das Projekt OpenTransfer an. Wir wollen dieses Spannungsfeld navigierbar machen. Es geht nicht darum, den klassischen Transfer zu ersetzen, sondern ihn um praxisnahe Werkzeuge zu erweitern:
- Für fundierte Entscheidungen: Hilfestellungen, um abzuwägen, ob und unter welchen Bedingungen ein Vorhaben offen oder proprietär verwertet werden soll.
- Für effizientes Management: Unterstützung, damit rechtliche Rahmenbedingungen frühzeitig in den Prozess integriert werden und Open-Vorhaben strukturell gut aufgestellt sind.
- Für langfristige Nachhaltigkeit: Strategien und Geschäftsmodelle, die eine dauerhafte Finanzierung ermöglichen.
OpenTransfer will damit den Weg von der theoretischen Diskussion zur konkreten Umsetzung ebnen, und OpenTransfer-Strategien nachhaltig in der Praxis verankern.
OpenTransfer bietet neue Möglichkeiten. Es geht nicht um ein Entweder-Oder, sondern um die intelligente Kombination der Stärken:
- Open Data und Open Source als Fundament: Offene Daten und Technologien ermöglichen es, auf bestehenden Lösungen aufzubauen, anstatt das Rad immer wieder neu zu erfinden. Das erhöht die Innovationsgeschwindigkeit im Vorfeld der Kommerzialisierung.
- Community als Qualitäts- und Innovationsmotor: Durch frühe Einbindung von Nutzer:innen und Partner:innen entstehen schnellere Feedback-Schleifen, höhere Qualität von Software und Hardware und passgenauere Lösungen, lange bevor ein Produkt marktreif ist.
- Nachhaltige Geschäftsmodelle: Es entstehen neue Wege, die offene Software und Hardware sowie offene Forschungsinfrastrukturen mit Dienstleistungen, Support oder spezifischen Anpassungen kombinieren, um langfristige Finanzierungsströme zu sichern.